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Olympische Winterspiele 2026 – 4er Bob

13. März 2026

Das erste Training startete früh morgens, direkt nachdem am Vorabend noch um die 2er Medaillen gekämpft wurde. Aus diesem Grund durfte sich Amadou das erste Training von der Seitenlinie anschauen und sich etwas von den zwei Renntagen erholen. Ein grosser Fokus galt natürlich erneut der schwierigen Kurve 4. Doch nun mit dem grossen Schlitten, mehr Gewicht und sicherlich auch einem besseren Plan ging Diese schon einiges besser und die Fehlerquote war nicht mehr ganz so gross. Doch wenn man im schweren 4er Schlitten mal etwas zu spät dran ist, dann wir alles umso schlimmer und die Schläge umso härter. Natürlich testeten wir auch in diesen entscheidenden Trainings nochmals die Kufen und probierten herauszufinden welcher Satz wohl am besten läuft. Nicht gerade einfach bei ständig wechselnden Wetterprognosen und immer wärmer werdenden Temperaturen da das richtige Händchen zu haben. Dazu kommt, dass man in einem Training nur zwei Kufen vergleichen kann und dabei auch noch an der Fahrlinie arbeiten muss. Im zweiten Training am Tag darauf wurde auch am Start etwas das Limit gesucht, um genau zu wissen, bei welcher Distanz wir in den Schlitten einsteigen müssen. Deshalb wurde in der Rennbesatzung gestartet. So konnte sich jeder den genauen Ablauf einprägen und wusste hoffentlich für das Rennen, wo er einsteigen muss. Denn der Start in Cortina ist relativ steil, was es schwierig macht, den Speed optimal mitzunehmen und nicht zu weit zu laufen. Auf Grunde der immer noch offenen Kufen Frage entschied ich mich dann dazu, auch das dritte Training zu fahren. Da es so vor dem Rennen keinen Pausentag mehr gab, verzichteten viele Teams darauf. Um Mario und Amadou zu schonen durften dann die Ersatzleute nochmals ran. So konnte ich nochmals zwei Kufen gegeneinander testen und mir auch in der Bahn nochmals die letzte Sicherheit holen. Die letzte Fahrt war jedoch nicht gerade das Gelbe vom Ei… aber „Schlechte Generalprobe, gute Premiere’’ heisst es ja so schön. Die Kufen hatten auch fast keinen Unterschied und so entschieden wir uns für den Satz, welcher sich bereits in St. Moritz an der EM und am ersten Europacupsieg bewährt hat. Kufen schleifen und dann noch die nötige Erholung für den nächsten Tag holen stand dann auf dem Programm. Das schleifen dauert an Olympischen Spielen jeweils etwas länger, da man wirklich keinen noch so kleinen Kratzer in der Kufe haben will.

Am Samstag war es dann endlich so weit. Das Rennen startete morgens um 10:00Uhr. Wir durften mit der Startnummer sieben ins Rennen Starten. Alle Top motiviert, mit viel Vorfreude, aber natürlich auch etwas nervös standen wir am Start zum ersten Lauf. Unsere Erwartungen und Hoffnungen für dieses Rennen waren hoch und jeder wusste was zu tun ist, um dies zu erreichen. Der Start in den ersten Lauf gelang uns gut. Achte Startzeit. Und nur ein paar Hundertstel Rückstand auf die Besten. In der Bahn schlichen sich dann aber leider mehrere kleinere Fehler ein. Kleine Fehler, welche Speed und so besonders im unteren Bahn Teil Zeit kosteten. Auf Lochner, der einen beinahe perfekten Lauf hinzauberte verloren wir 0,62sek. Gegenüber den Medaillen waren es jedoch nur 14 Hundertstelsekunden. Somit war trotz der Fehler immer noch alles offen und es konnte nur noch besser kommen. Im zweiten Lauf traff ich die Laufdistanz leider nicht mehr so genau und unser Start war so etwas kürzer. Trotzdem reichte es für eine gute Startzeit und das Einsteigen und die Abgangsgeschwindigkeit waren dafür Top. Beim Lenken passte im zweiten Lauf alles viel besser und so reichte es am Ende des ersten Tags für den 4. Zwischen Rang. IM zweiten Lauf verloren wir nur noch 0.1sek auf das schnellste Team Lochner. Auf die Medaillen betrug der Rückstand immer noch wenige Hundertstelsekunden und jeder aus unserem Team wusste, dass wir diese am zweiten Tag aufholen können. Nach dem zweiten Lauf ab durch die Mixed Zone in der wir ein paar Interviews geben durften und dann ab zurück ins Olympische Dorf für das Kufen Schleifen. Erneut wurden alle noch so kleinen Unsauberkeiten aus dem Rennsatz geschliffen und dann von unseren Verbandsmechanikern auf Hochglanz poliert. So konnte auch ich nach dem Schleifen zurück ins Zimmer gehen und sogar noch kurz beim Physio vorbeischauen. Nach einer Nacht, in der ich erstaunlich gut schlafen konnte, lag eine super Stimmung in der Luft. Alle freuten sich trotz der frühen Morgenstunde auf die bevorstehenden Läufe und waren motiviert, um die Medaillen zu kämpfen. Nach dem Frühstück begaben wir uns alle Zusammen mit dem Shuttle an die Bahn und bereiteten den Schlitten vor, montierten die Kufen und brachten unsere Rakete hoch an den Start. Am Start war das Ziel auch klar. Wir wollten den Schlitten unter 4.80 Sekunden in die Bahn schicken. Dies klappte leider nicht ganz im 3. Lauf und wir starteten mit 4.83sek knapp langsamer als am Vortag. Der Lauf jedoch war super und etwa gleich schnell wie der erste Lauf am Tag zuvor. Gegenüber dem Deutschen Schlitten auf dem Bronze Platz konnten wir wenige Hundertstelsekunden abnehmen und kamen so unserem Traum nochmals ein klein wenig näher. Das Mario im dritten Lauf vom Abweiser abgerutscht ist und trotzdem elegant in den Schlitten gesetzt hat merkten die meisten gar nicht. Wir konnten in der Garderobe darüber lachen und freuten uns auf den letzten alles entscheidenden Lauf auf der Olympiabahn. 0.09Sek mussten wir gut machen, um uns eine Medaille zu sichern. Das Ziel war klar. Der letzte Start war mit Abstand der Beste. Zweitbeste Startzeit mit 4.78 Sekunden. Eine unglaubliche Leistung des ganzen Teams. Der Start fühlte sich für mich auch extrem gut an und so wusste ich bereits nach dem Einsteigen, dass ich es jetzt in den Händen habe. Die ersten zwei Kurven gelangen nicht ganz wie gewünscht. Vielleicht war das etwas zu schnell am Start;) Ab der dritten Kurve passte dann aber alles wie ich es mir vorgestellt hatte und mehrere Male vor dem Lauf im Kopf durchgegangen bin. Im Ziel angekommen leuchtete die Eins. Eine riesen grosse Erleichterung. Aber gleichzeitig startete da auch die grosse Nervosität. Der Vorsprung auf das Vorherige Team wurde im Vergleich zum dritten Lauf um einiges grösser und so wussten wir auch dass wir einen sehr schnellen Lauf erwischt hatten. Ab in die Leaders Box für die wohl schlimmsten Minuten. Der Deutsche Schlitten startete und hatte genau die gleiche Startzeit. Nach den ersten Kurven bauten sie den Vorsprung etwas aus. Nicht schon wieder dieser verflixte 4. Rang dachte ich mir. Doch dann sah man einige kleine Unsauberkeiten in der Fahrt. Der Vorsprung sprang zurück auf 9 Hundertstelsekunden. Ein weiterer grober Schieber aus der Kurve 9. Der Vorsprung schmilzt weiter und für uns vor dem TV im Zielbereich war es kaum auszuhalten. Bei der zweitletzten Zwischenzeit war er nur noch 0.02sek vor uns. Ich konnte mich aber noch nicht freuen, denn wir alle wissen, dass die Deutschen Schlitten im unteren Bahnteil immer extrem schnell waren. Doch da sprang die Zeit von Grün auf Rot und im Ziel leuchtete die zweite Endzeit auf. Was für ein Gefühl… Ja was für ein Gefühl? Wohl alles gleichzeitig und trotzdem nichts. Wir nahmen uns in den Arm und konnten es kaum fassen. Diesen Moment mit den Liebsten vor Ort zu Teilen machte das ganze nochmals ein Stückchen schöner. Die letzten zwei Schlitten, die dann noch ins Ziel kamen, waren für uns nur noch Nebensache. Wir durften uns über eine Medaille an den Olympischen Spielen freuen. Zweite Startzeit und zweit schnellste Laufzeit. Doch viel Zeit das Ganze zu realisieren, blieb uns nicht. Denn ab da ging dann auch das durchgetaktete Programm los. Ab zur Medaillen Übergabe. Diese fand im unteren Bereich der Bahn statt. Ein unbeschreibliches Gefühl diese Medaille vor so vielen Leuten zu erhalten. Nachdem wir die Medaille erhalten hatten dürften wir das erste Mal für einen sehr kurzen Moment zu unseren Angehörigen. Kurz alle umarmt und ein paar Fotos geschossen machten wir uns wieder auf den Weg in den Zielbereich. Weitere Interviews standen auf dem Plan. Alle TV Stationen die etwas von uns wissen wollten abgeklappert, durfte ich auch noch in die Dopingkontrolle. Nach Dieser holte uns ein Shuttle ab, welcher uns dann zu Pressekonferenz brachte. Viele Fragen mussten wir da dann aber nicht mehr beantworten und wir hatten etwas Zeit unsere Bronzemedaille genauer unter die Lupe zu nehmen. Direkt danach wurden wir an den Start der Bahn gebracht. Da mussten wir noch unsere Taschen packen und auch die Schlitten wieder in die Transporter einladen. Dank unserer Mechaniker und unserem Ersatzanschieber war das meiste schon erledigt. Kaum war alles eingeladen fuhren wir zurück ins Olympische Dorf, um kurz unter die Dusche zu hüpfen. Dafür blieben etwa 20 Minuten. Direkt nach dem kurzen Auffrischen brachte uns ein Taxi ins House of Switzerland. Da angekommen wurden wir von vielen Schweizer Fans empfangen und diese machten nochmals richtig Stimmung. Zusammen mit dem Schweizer Frauen Curling Team konnten wir so nochmals unsere Medaillen feiern und das ganze etwas näher mit unseren Liebsten geniessen. Nach dem offiziellen Empfang und einem Interview im SRF stand dann das richtige feiern an. Bis weit in die Nacht wurde getanzt und über die vergangenen Ereignisse geplaudert. Das weniger erfreuliche folgte dann am nächsten Morgen, als wir schon früh unsere Zimmer verlassen mussten und mit einem noch etwas schweren Kopf die Heimreise antreten mussten.

So war das ganze Olympia Abenteuer auch schon wieder vorbei. Jetzt steht eine kleine Pause an, in welcher die Erholung im Vordergrund steht. Doch das Training für den nächsten Winter startete schon bald, denn wir sind noch nicht fertig!

Unseren 4. Lauf könnt ihr hier nochmals miterleben:

https://www.srf.ch/sport/milano-cortina-2026/bronze-im-viererbob-vogt-beschert-der-schweiz-die-1-olympiamedaille-im-bob-seit-2014

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